Teil eines Werkes 
2. Bd. (1859)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

222

blickte troſtlos um ſich, auf welche Weiſe ſie nun thätig ſein könne.

Narbonne war ſogleich nach ſeiner Entlaſſung zu der Armee des Nordens abgereiſt. Seit längerer Zeit daran gewöhnt, ihn täglich zu ſehen, täglich mit ihm zu berathen, wie er handeln, wie er auftreten ſolle, fehlte er ihr jetzt auch in ihrem häuslichen Leben. Sie entbehrte ihn und klagte ſich an, ihm nicht jene Vorſicht und Klugheit gelehrt zu haben, welche ſie ſelbſt am allerwenigſten beſaß.

Die Clubs, die Convente, boten ihr nur noch das halbe Intereſſe, ſeit dort keine Stimme mehr für ſie redete. Traurig wanderte ſie in ihren Gemächern umher und fand ſie einſam. Obwohl das bewegte politiſche Leben ſie immer noch gleich ſehr anregte und ihr ganzes Intereſſe wach

rief, ſo brachte es ihr kein Glück mehr, ſeit ſie keine perſön⸗

liche Rolle dabei ſpielen konnte.

Sie verſuchte mit Herrn von Talleyrand anzuknüpfen. Doch vergebliches Bemühen! So geiſtreich, liebenswürdig und bezaubernd er ſich im kleinen Kreiſe, oder mit ihr allein, gehen ließ; ſo wenig entlockte ſie ihm je ein Wort, das ſeine wahren Anſichten verrieth.Er iſt wie eine Senſitive, ſagte ſie einſt ſelbſt;kaum berührt man ihn mit dem leiſe⸗ ſten Finger, ſo zieht er ſich behutſam in ſich ſelbſt zurück.*

* Monſieur de Talleyrand. 2. Band.