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für Jemand haben, denn Herr von Narbonne war ſeiner Stellung nicht gewachſen. Von einer geiſtreichen Frau ge⸗ leitet, wandelte er die von ihr vorgezeichnete Bahn; doch ohne innere Selbſtgewißheit, und die Ueberzeugung, welche ſeinem Herzen fehlte, wohnte daher auch nicht auf ſeiner Lippe.— Er wünſchte, wie Frau von Staöl, daß das Geſetz Frankreich beherrſche; doch nicht auf Koſten aller beſtehenden Verhältniſſe, und ſolche Mäßigung fand nir⸗ gends mehr Anklang.
Herr von Montmorench hatte den Vorſchlag gemacht, die Titel des Adels abzuſchaffen.— Frau von Stasl war damit nicht einverſtanden. Erinnerungen laſſen ſich nicht auslöſchen, die Verdienſte ſeiner Vorfahren ſind jedem ge⸗ bildeten Menſchen heilig. Sie warnte ihn vor der Nutz⸗ loſigkeit dieſes Schrittes, doch vergeblich. Der Biſchof von Autun trug darauf an, die Güter der Geiſtlichen einzu⸗ ziehen; er war es auch, der ſie zu weltlichen Prieſtern machte, und ihnen mit dem Beiſpiele einer Heirath voran⸗ ging. Frau von Staöl hatte auch daran keine Freude. Sie wünſchte eine Regierung, wie England ſie beſaß, und nannte dieſe Mittel dem Zwecke nicht entſprechend. Doch das allgemeine Verlangen nach Popularität verſchloß jedes Ohr vernünftiger Einſicht; man huldigte dem Geſchrei einer aufgeregten Menge, welche ihre eigenen Intereſſen nicht verſtand, und ſtatt zu leiten, geleitet werden mußte—
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