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leuchtete, begeiſterte nicht allein für die Sache, welcher ſie mit der Beredtſamkeit eines Mirabeau Anhänger zu ge⸗ winnen ſuchte; ſondern auch für die junge Frau, welche mit ſo viel Feuer dafür ſprach.— Man bewunderte ſie, und der ihr gezollte Beifall that ihrem Herzen wohl. Es waren die glücklichſten Tage ihres Lebens, welche ſie in⸗ mitten dieſer politiſchen Unruhen verlebte.
Die von ihr ſo gewünſchte Conſtitution war indeſſen vollendet, und dem nach ſeiner Flucht in den Tuilerien gefangen gehaltenen Könige vorgelegt worden.
Frau von Stasl war mit dieſer Art zu verfahren nicht einverſtanden. Sie fühlte die dem Königthume an⸗ gethane Schmach, und litt in tiefſter Seele jede dem Königs⸗ paare zugefügte Kränkung mit. Es vermiſchten ſich in ihr die drei Beſtandtheile der Revolution; denn ihrer Stellung nach war ſie Ariſtokratin, ihrer Geburt nach gehörte ſie der Volke an, und ihr Talent ſtellte ſie in die Reihen der Gelehrten.— So bekämpfte denn ein Prinzip ſtets das andere in ihr und keinem gönnte ſie den vollſtändigen Sieg.
Ihr Wunſch, nach dem Abgange ihres Vaters Herrn von Narbonne in das Miniſterium zu bringen, war erfüllt,
ſie beſaß durch ihn eine Stimme im Rathe, und ſetzte Alles an das Gelingen ihrer Pläne. Wiederum aber erwies ſich bei dieſer Gelegenheit die
Wahrheit ihres eigenen Wortes: man könne nicht Charakter 14*


