Teil eines Werkes 
2. Bd. (1859)
Entstehung
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geſunken war, ſeit die Volksgunſt ihn verlaſſen und er endlich Frankreich den Rücken gewendet hatte, ſah ſie mit Beſtürzung die Abhängigkeit ihrer Lage. Ihr Geſchlecht verbot ihr jede unmittelbare Theilnahme an den Begeben⸗ heiten, ſie mußte unſichtbar in den Ereigniſſen bleiben, welche ſie zu leiten wünſchte. Sie dürſtete nach Ruhm, nach Beifall; und konnte Beides nur verſchleiert für ſich gewinnen. Sie mußte ihren Geiſt, ihre Thatkraft einem Manne einhauchen, und ihn mit ihrem Talente wuchern laſſen. Dieſes Zurücktreten koſtete ihr Ueberwindung; doch bot ſich ihrem Ehrgeize kein anderer Ausweg.

Sie hatte ihr fünfundzwanzigſtes Jahr jetzt zurück⸗ gelegt. Voll kühner Auffaſſung der Zeitumſtände begehrte ſie, ſie nach ihren Wünſchen zu lenken. Zu dem Zwecke machte ſie ſich zum Mittelpunkte der entgegengeſetzten Par⸗ teien, und verſuchte es ſogar, indem ſie Männer der ver⸗ ſchiedenſten Anſichten zu ſich einlud, eine Ausgleichung unter ihnen zu Stande zu bringen. Dies Bemühen erwies ſich jedoch vergeblich. Der Strom der Begebenheiten ließ ſich in ſeinem Laufe nicht halten.

Ihre ſchwarzen Augen, mit den Glutfunken in dem Augapfel, ließen durch die langen Wimpern eben ſo viel Stolz als Zärtlichkeit blicken.* Die Flamme, welche darin

* Lamartine.