Teil eines Werkes 
2. Bd. (1859)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

214

Necker blickte indeſſen immer trüber in die Zukunft, ſeine Popularität verminderte ſich mit jedem Tage, ſeine Ge⸗ ſundheit litt. Die Lage des Königs war nicht minder be⸗ klagenswerth. Trotz ihrer Vorliebe für eine Conſtitution, konnte Frau von Stasl ihn doch nicht ohne tiefes Mitleid in dieſer Abhängigkeit erblicken, und mit ihrem warmen Herzen ſtets bereit zu helfen, wo ſie ein Leiden wußte, ſann ſie darauf wie man ihn frei zu machen vermöge. Sie entwarf einen Plan für ſeine Flucht, und ließ ihm dieſen vorlegen. Doch Ludwig XVI. hegte kein Ver⸗ trauen zu dem Vorſchlage einer ſo phantaſiereichen Dame, mit deren exaltirtem Weſen er ſich nie hatte befreunden können, und ſchob kopfſchüttelnd ihren Brief bei Seite

Mit Bedauern ſah ſie ſich zurückgewieſen. Nach Art der Frauen, welche ſtets mehr mit dem Herzen, wie mit dem Kopfe handeln, hätte ſie Alles an Alles ſetzen können, während ein Mann nie das eigene Intereſſe für das des Andern aus den Augen ſetzt.

Die verunglückte Flucht des Königs bewies dies ge⸗ nugſam.

Am Bten September 1790 verließ Necker, begleitet von ſeiner Gattin und ſeinem Enkel, in aller Stille Paris, um nie wieder dahin zurückzukehren. Fünfzehn Monate waren verfloſſen, ſeit er ſeinen glänzenden Einzug gehalten,