26
verſtand ſich ſelbſt nicht in dieſem Chaos widerſtrebender Empfindungen.
„So gedankenvoll?“ fragte Herr von Narbonne nach einer Pauſe.
„Ich betrachte die Natur in dieſem trügeriſchen Frie⸗ den!“ erwiederte ſie, wie abweſend.„Sehen Sie jene Wolke dort; in ihr ruht der Blitz, wie in der Seele des Menſchen die Leidenſchaft. Nur des zündenden Funkens bedarf es, nur des Wortes, das den rechten Punkt berührt, und unſere Empfindungen überſteigen ihr Maß, unſer Wille zügelt ſie nicht mehr.“
„Wüßte ich doch dies Wort zu ſprechen!“ warf Nar⸗ bonne ein. Sie beachtete dieſe Erwiederung aber nicht, und ihre Hände wie in Andacht über ihrer Bruſt faltend, fuhr ſie fort:
„Schöpfer dieſer ſchönen Natur, laß Deine Hand ſegnend auf mir ruhen und beſchütze mich! Denn ich ſelbſt bin dazu unvermögend. Wenn das Glück an meine Thür klopft, ſo werde ich ſie ihm öffnen; denn meine ganze Sehn⸗ ſucht iſt nach Glück; aber wie es mir kommen wird, das weiß ich nicht, und mir bangt vor ſeinem Erſcheinen. Dro⸗ hend ſteht es vor meinem Auge, wie jene Wolke dort mit ihren Schloßen und verborgenem Grollen. Ach! Ich weiß es, es wird mich zermalmen, und nie, nie wird es mir be⸗ ſchieden ſein, leichten Sinnes über die Erde zu wandeln,


