hoffen, zu fürchten, zu erwarten; jeder neue Morgen konnte neue Erfolge, neue Kriſen bringen, und manche Nacht ver⸗ ging mir ſchlaflos in Erwartung des Morgens und der Zeitungen. Jetzt ſteht faſt nichts darin, das mich zum Leſen reizt;— es iſt Alles wie todt.“
„Sie leben aber doch nicht einſam, es ſind beſtändig Gäſte bei Ihnen, Ihres Vaters Freunde kommen faſt täglich!“
„Freilich! Aber ſie ſind alt geworden— mir viel zu alt. Ich bedarf des friſchen Lebens und das verirrt ſich nicht zu uns. Was zu uns kommt, ſteht ſchon mit einem Fuße im Grabe.“
„Sie ſcherzen!“ rief Madame Marmontel lachend.
„Ich ſcherze jetzt im Ernſte,“ rief Germaine aufſprin⸗ gend und den kleinen Raſenplatz mit langen Schritten meſ⸗ ſend.„Ich ſcherze wie Jemand, der den Strick ſchon an der Kehle fühlt und den Kopf in die Schlinge zu ſtecken nicht Luſt hat.— Es iſt nur gar zu bitterer Ernſt mit meinem Scherze.— Sehen Sie nur, meine gute Adele, mit welchen jungen Herrchen ich umgeben bin! Da iſt mein Grimm, der freilich gar nicht grimmig ſcheint, er iſt ein hübſcher Sechziger, und hat den Kopf ganz voll von den Berichten, womit er ſeine fürſtlichen Freunde am Nordpol ergötzen will. Mit dem iſt nicht zu ſpaßen; denn lachen darf ein


