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Lippen; denn er fühlte wohl, daß er ſie nicht oft mehr ſehen würde.
Als er aufſah, bemerkte er, daß ſich an der andern Seite des Bettes eine bleiche Geſtalt bewegte, welche einem Schatten glich; und als er näher hinſah, entdeckte er, daß es Rocca ſei. Die Wangen hohl, die Augen getrübt, die Züge verzerrt von Gram, die Geſichtsfarbe grau, blickte der arme Mann ſtarren Auges auf ſeine kranke Freundin und ſchien, durch die Sorge um ſie, dem Leben ſchon nicht mehr anzugehören. Keine Silbe kam über ſeine Lippen. Stumm erwiederte er den Gruß des Gaſtes mit einer leichten Bewegung des Hauptes, ſtand dann auf und verſchwand aus dem Zimmer, ohne daß man ſeine Schritte vernahm. Einem Schatten gleich ſchwebte er vorüber, mit einem bedeutſamen Blick auf die Kranke, welchen dieſe zurück gab. Vielleicht wollte er ſie warnen, ihr Fieber nicht durch lebhaftes Geſpräch zu verſtärken; wenigſtens deutete Chateaubriand es ſo.
„Sie müſſen ſich ſchonen,“ ſagte er zu der Kranken. „Sie müſſen Sorge für Ihre Geſundheit tragen; ſchon um Ihrer Freunde willen ſind Sie ſich das ſchuldig!“
Sie lächelte ſanft, und nickte ihm mit den Augen zu. „Ich kann nicht,“ ſagte ſie.„Ich bin mir ſtets gl eich geblieben, lebhaft und traurig; j'ai aimé Pieu, mon pére et la liberté.“


