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Organiſation ließ ſich nicht wieder in das rechte Geleiſe treiben. Sie konnte endlich die Anſtrengung nicht mehr machen, im Salon am Abend zu erſcheinen, ſie mußte darauf verzichten, ihre Freunde zu empfangen; ſie mußte in ihrem Zimmer und oft in ihrem Bette bleiben. Chateaubriand ſuchte ſie eines Morgens auf und war überraſcht zu hören, daß ſie ihr Lager nicht mehr ver— laſſen könne. Noch einige Tage zuvor hatte er bei ihr geſpeiſt, und ihr Krankſein nicht geahnt.— Jetzt empfing ſie ihn bei verſchloſſenen Fenſtern, durch die der Tag nur ſpärlich ſeinen Schein ſendete. Halb aufgerichtet, von Kiſſen unterſtützt, ſaß ſie in ihrem Bette und ſtreckte ihm,
mit der alten Herzlichkeit, die jetzt abgemagerte Hand ent⸗ gegen.*
Es war ſo düſter im Zimmer, daß er Anfangs kaum entdecken konnte, wo die Kranke ſei. Als er ihr ganz nahe getreten, gewahrte er auf ihrer Wange die hohe Röthe eines verzehrenden Fiebers, das nicht mehr zu hemmen war. Ihr ſchönes Auge traf ihn ſelbſt in dieſer Dämme⸗ rung mit ſeinem Strahle und freundlich ſagte ſie:
„Bon jour, my dear Francis. Ich leide; aber das verhindert mich nicht, Sie zu lieben.“
Er nahm ihre Hand und preßte ſie gerührt an ſeine
* Chateaubriand's Memoiren.


