Teil eines Werkes 
3. Bd. (1859)
Entstehung
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Entſchuldige, daß ich ſtöre, liehe Mama! ſagte ſie. Im Vorzimmer wartet ein Herr, den Du haſt abweiſen laſſen, weil man Dir ſeinen Namen nicht richtig genannt hat und er keine Karte bei ſich führte. Er hat ſich gegen mich, als ich an ihm vorüberging, beklagt, und ich bin überzeugt, daß es Dir leid thun würde, ihn nicht geſehen zu haben.

Wer iſt es denn? fragte Frau von Stasl ungeduldig.

Oehlenſchläger.

Ah! Iſt er es! Jedenfalls werde ich mich freuen ihn zu begrüßen. Bitte! Lade ihn auf dieſen Abend ein und entſchuldige mich, daß ich ihn nicht gleich empfangen kann. Neun Jahre machen einen Unterſchied im Leben. Damals durften meine Freunde mich zu allen Stunden aufſuchen; jetzt muß ich die Stunde ſuchen, wo ich ſie empfangen kann. Ach! Die arme menſchliche Natur!

Es wird beſſer werden, ſagte Rocca tröſtend.Mit dem kommenden Frühling werden Sie ſich erholen.

Laſſen wir das, Rocca. Meine Tochter ſieht heute ſehr gut aus, nicht wahr? Sie iſt glücklich, hoffe ich. Ich habe ihr ein anderes Lebensloos geſchaffen, wie das, was mir zu Theil ward. Ich habe ſie gewarnt vor dem Ruhme und vor der Politik; ſie ſollte mir in keiner Art nachahmen, in keiner Art meinem Beiſpiele folgen. Was ich gelitten, wünſchte ich nicht in ihr noch wiederholt zu