Achtzehntes Capitel. Der letzte Lebenstraum.
Die hundert Tage waren vorüber, Napoleon hatte am fünften Juli 1815 ſeine Abdankung unterzeichnet, und war mit dem Bellerophon nach St. Helena abgereiſt. Frau von Staöl hatte dieſen wechſelnden Begebenheiten aus der Ferne zugeſehen. Trotz ihres Haſſes gegen Napoleon, konnte ſie es Frankreich nicht verzeihen, den fremden Truppen das Ueberſchreiten ſeiner Grenzen geſtattet zu haben; ſie trauerte über dieſe ihrem Vaterlande neu zu⸗ gefügte Demüthigung.
Ein Jahr des Verſuches hatte ſie belehrt, was ſich von einem Bourbon erwarten laſſe. Der Egoismus Lud⸗ wig's XVII., welcher nur ſeine eigene Bequemlichkeit ſuchte, und darüber hinaus nichts kannte, war ihr zuwider ge⸗ worden. Sie hoffte von dieſer neuen Reſtauration wenig für ihr Vaterland, und hoffte um ſo weniger, weil die Fremden ſie Frankreich unter ihren eigenen Bedingungen vetroyirt hatten; ſo ließ ſie denn der Abzug ihres größten Feindes faſt kalt, und traurig ſah ſie den kommenden Zeiten entgegen.
Der Sommer war unter dieſen Begebenheiten ver⸗ gangen; der nahende Winter fand ſie wieder in Paris,


