Teil eines Werkes 
3. Bd. (1859)
Entstehung
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ſcher Frankreichs betrachtete, wurde ihr Haus der Sammel⸗ platz der Royaliſten.

Frau von Stasl theilte die Anſichten ihrer Freundin in dieſem Punkte nicht; aber ihre Achtung vor jeder wah⸗ ren Ueberzeugung geſtattete ihr nicht, ihr anders entgegen zu treten, als mit dem warmen Worte ihrer eigenen Ueber⸗ zengung. So wirkte denn Jede auf ihre Weiſe und ließ die Andere gewähren, ohne daß ihre Freundſchaft dadurch litt.

Bald ſollte dieſe jedoch eine neue Probe zu beſtehen haben. Benjamin Conſtant, bis jetzt ein treuer Anhänger der conſtitutionellen Partei, deren Intereſſen er ſeit fünf⸗ zehn Jahren verfochten hatte, erſchien plötzlich nicht mehr in den Abendzirkeln bei Frau von Stasl und man fragte ſich verwundert, wohin er ſich gewendet? Verlegen wich er ſelbſt allen Fragen aus. Doch das Gerücht ſchwieg nicht und belehrte Frau von Stasl gar ſchnell über die Urſachen ſeiner Abtrünnigkeit.

Eine glühende Leidenſchaft für ihre ſchöne Freundin hatte ſich plötzlich ſeiner bemächtigt. Der ernſte Mann mit dem kahlen Scheitel ſchwärmte wie ein Jüngling für eine reizende Frau und lebte nur noch von ihren Blicken. Er hatte ſie ſeit vielen Jahren gekannt, ohne daß ſein Herz für ſie geſchlagen, und jetzt, wo der Ernſt des Lebens ihn gereift, wo manche Erfahrungen ihn zur Ueberlegung auf⸗ riefen, vergaß er plötzlich die ganze Welt, um zu ihren