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Narbonne hatte ſie eben verlaſſen. Er war der Trä⸗ ger ſchlimmer Nachrichten geweſen, welche ſeine eigene Hoffnungsloſigkeit noch würzte. Dabei hatte ſie zugleich wahrgenommen, wie wenig ſie, die Freundin, ihm noch galt, ſeit ihm Vermögen und Stellung fehlten.„Welche Männer!“ ſagte ſie kopfſchüttelnd, als er gegangen.— „Statt uns Frauen eine Stütze zu ſein, ſind wir es, die ſie tragen müſſen. Sie nehmen unſere Dienſte an, als ob es unſer Lebenszweck wäre, ihre Intereſſen zu fördern, und vergeſſen, daß wir bei aller ſcheinbaren Uneigennützig⸗ keit, im Grunde unſeres Herzens den ſtillen Wunſch bergen, für unſere Leiſtungen mit ein bischen Liebe gelohnt zu wer⸗ den. Armes Geſchlecht! Ueberall kommtdie verwundbare Seite zum Vorſchein.“
Die großen, leuchtenden Augen durch die langen Wimpern halb verſchleiert, den Ausdrucktiefer Melancholie in den Zügen, trat ſie dem jungen Fremden entgegen und begrüßte ihn.
Ueberraſcht blieb er vor ihr ſtehen. Er hatte ſich von der Verfaſſerin der Briefe über Rouſſeau ein ganz an⸗ deres Bild entworfen.
„Sie kommen aus Deutſchland,“ redete ſie ihn mit ihrer tiefen, wohlklingenden Stimme an.„Sie haben aus dem Born deutſcher Philoſophie getrunken; aber daneben auch monarchiſchen Prinzipien huldigen gelernt. Man
1859. III. Frau von Stasl. III. 2


