Teil eines Werkes 
3. Bd. (1859)
Entstehung
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Die Heuchelei, zu welcher ſich ihr Geſchlecht außerdem noch herabließ, die Unwahrheit, mit der ſie ihre Denk⸗ und Empfindsweiſe verſtecken, ſcheuchte ſie zurück. Sie konnte es nicht verſtehen, daß man ſich ſeiner Gefühle ſchäme. Sie ſchätzte nur das Wort, welches der unmittelbare Ausdruck des Seelenzuſtandes war; ſie verkehrte mit den Männern, als wären es Frauen, trat ihnen offen und grade entgegen, und feſſelte ſie durch das Erkennen einer Individualität, die nicht ſcheinen wollte, was ſie nicht war. Die Frauen wiederum nahmen Anſtoß an dieſer ihnen fremden Art zu ſein, und tadelten ihr Betragen als einen Mangel an Sitte.

Frau von Stasl gewahrte es, daß ſie mißfiel, und es betrübte ſie und machte ſie traurig; denn ſie wünſchte geliebt zu ſein. Aendern konnte ſie daran nichts; deſſen war ſie ſich bewußt.C'est ma nature anisi, ſagte ſie, und dieſe umzuformen, ſtand nicht in ihrer Macht. Sie blieb wahrheitsliebend bis zur Indiscretion, und verheim⸗ lichte ſo wenig, was ſie ſelbſt bewegte, noch was Andere ſchmerzte oder erfreute.

Sie hatte in den letzten ſechs Jahren ihre Feder gänzlich ruhen laſſen; denn die politiſchen Ereigniſſe dräng⸗ ten alle literariſchen Intereſſen in den Hintergrund, und ſobald ſie das lebendige Wort zur Mittheilung ihrer Ge⸗ danken benutzen konnte, wählte ſie das ſchriftliche nicht. Jetzt, in ihrer Einſamkeit, griff ſie wieder zu ihrer Feder.