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uns aufwächſt!— So tritt ſie gänzlich unerfahren in das Leben ein, und Liebe, Leidenſchaft, ſind Worte nur, die keine Bedeutung für ſie haben. Mit Fräulein Necker iſt das anders. An ihrer Wiege ſaßen die Enchklopädiſten, und ihre Kinderſpiele würzten Philoſophen. Da ich nun ſelbſt Erzieherin geworden bin, ſo iſt es mir natürlich von Intereſſe, das Reſultat eines Syſtemes zu ſehen, das von dem unſrigen ſo ganz abweicht. Man ſagt von Fräulein Necker, daß ſie unendlich geiſtreich ſei, und mit Vergnügen habe ich mich überzeugen können, daß diesmal das Gerücht nur wahr geſprochen.“
„Meine Tochter iſt noch ſehr jung, Madame, und wenn ſie ſich auch jetzt noch ſehr von ihren Empfindungen beherrſchen läßt, und etwas raſch in ihrem Urtheil iſt, ſo werden die Jahre und die Welt ſie ſchon ruhiger ſtimmen und ſich beherrſchen lehren.“
„Ich fürchte, nein, Mama. Man unterdrücke die Natur und ſie kommt im Galopp zurück, ſagt Fénélon. Nie, nie werde ich mich abgerichteten Menſchennaturen gleich ſtellen, nie mit den Lippen ſtammeln, wovon das Herz nichts weiß. Ich bin die Tochter meines Vaters. So wahr zu ſein, wie er, das ſei mein Streben; ſo offen wie ſein Leben, ſei mein Herz. Ich will nicht heucheln, will nicht lügen.— Ich bin ein Menſch vor Gott, nicht vor der Welt. Es giebt in meinem Herzen keine Falten,
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