re 8
¹9 iſt er ft t es ig en
e
t⸗ es
en en
233
Herzens!— Du arme menſchliche Natur, Dich will man aller Deiner Rechte gern entſetzen, und dafür der Vernunft Altäre bauen. Doch, Lieben aus Vernunft iſt ſchlimmer nicht als Haſſen aus Vernunft.— Ich mag von dem Gefühle nichts entnehmen, das unter dieſes kalten Meiſters Zepter ſteht, ich mag die Thräne nicht, die die Vernunft geweint, ſo wenig als den Schmerz, dem er die Grenzen vorgeſchrieben; ich mag die Freude nicht, die ſich nach mathematiſchen Berechnungen geberdet, und nicht das Wort der Liebe, das ſie dem Munde erſt dictirt.— Ihr Leidenſchaften Alle, die Ihr des Menſchen Bruſt bewegt, Euch ruf ich an! Heißt es nicht todt ſein, Euch entbehren? — Und will man das noch Leben nennen, wenn nie des Pulſes raſcheres Kreiſen uns auf die Spitzen der Em⸗ pfindung trägt?— Oh! Rouſſeau, könnteſt Du mich hören, Du würdeſt mir zur Seite ſtehen. Du auch, gleich mir, Du wollteſt Menſchen und nicht nur Automaten, die nach gewiſſen Regeln ſich bewegen, gehen, ſtehen!“ „Germaine, ich bitte Dich!“ rief Madame Necker leiſe. „Nicht doch!“ fiel Frau von Genlis ein.„Ich höre gern den Ausdruck von Empfindungen, die ſelten nur in dieſer glatten Welt mein Ohr berühren. Die Sitte hat ſo manches unterſchlagen, was natürlich iſt, und wieder Anderes erlaubt der gute Ton nicht auszuſprechen. Dazu die klöſterliche Abgeſchiedenheit, in der ein Mädchen bei
1859. I. Frau von Stasl. I. 15


