Teil eines Werkes 
1. Bd. (1859)
Entstehung
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Sie verwöhnen mich durch ſo viel Artigkeit. Kaum habe ich jetzt noch den Muth, Ihnen als Führerin zu dienen, beſorgt, daß die Mühe Ihnen nicht gelohnt werde.

Ah! Ein Bild des Herzogs! rief Germaine, ihre Schritte anhaltend vor dem lebensgroßen Bilde eines Mannes in Uniform.

Sie kennen ihn? fragte Madame de Genlis.

Nur an der Aehnlichkeit mit unſerm guten König.

Dem er doch eigentlich nicht ähnlich iſt; ſo wenig dem Aeußern nach, als im Charakter. Ludwig XVI. iſt nicht ſo gut, wie man es ihm nachſagt. Sein erſter Gedanke iſt ſtets dem Impuls einer böſen Leidenſchaft entſpringend, und nur der zweite wendet ſich zur Güte. Das iſt für einen König ſehr gefährlich; denn kaum iſt die erſte Silbe ſeiner Lippe entflohen und ſchon hat eines Höflings Dienſteifer eine That daraus gemacht. Ein König muß erſt denken und dann handeln, ſo präge ich es meinen Prinzen ein.

Der Anſicht ſtimme ich bei, verſetzte Madame Necker.

So muß ich allein mit meiner Meinung Ihnen ent⸗ gegen treten, muß es wagen zu behaupten, daß alles Große, Schöne, die That des Augenblickes geweſen iſt, rief Germaine feurig.Wenn wir beſtändig rechten, rechnen wollen, was wird da aus dem Pulsſchlag eines warmen