Teil eines Werkes 
1. Bd. (1859)
Entstehung
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weiß ſo reiche Gaben zu benutzen. Aber ſagen Sie mir nun noch, wie heißt Ihr Stück, wovon handelt es, welchem Zwecke iſt es beſtimmt?

Das ſind viele Fragen auf einmal zu beantworten, ſagte Frau von Genlis lächelnd,und ſo will ich denn mit der erſten beginnen. Der Titel iſt: Zclie ou Ingénue und der Inhalt, wie bei Allem, was ich ſchreibe, ein be⸗ lehrender für die Jugend. Wir Frauen ſollen eigentlich nur dann die Feder in die Hand nehmen, wenn wir einen Zweck damit verbinden, der höher ſteht, als die Befriedi⸗ gung unſerer Eitelkeit, oder ein thörichtes Sehnen nach einem Ruhme, deſſen Schatten uns nur verfolgen würde. Alles Glück, das uns kommen ſoll, darf ſeinen Quell nur aus dem Herzen ſchöpfen; äußere Erfolge, äußere Bezie⸗ hungen werden es uns nie verleihen. Bei ſcheinbarem Reichthume könnten wir uns dabei unendlich arm fühlen. Nur wenn wir das Leben aus einem höheren Geſichts⸗ punkte auffaſſen, und höhere Zwecke damit verbinden, adeln wir auch ſolche Handlungen, die ſonſt Tadel verdienen, wie z. B. das öffentliche Hervortreten einer Frau. Sie glauben nicht, wie ſchwer mir dieſer Schritt gefallen iſt, trotz aller Gründe, welche ich dafür in die Wagſchale legen konnte, und noch jetzt muß ich mir ſie häufig zurück⸗ rufen, um nicht zu bereuen.

Dieſe Worte waren berechnet, Madame Necker für