Teil eines Werkes 
1. Bd. (1859)
Entstehung
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aufſuchen, rief die Dame vom Hauſe ſehr verbindlich. Ich hätte gewünſcht, Ihnen in dieſer Aufmerkſamkeit voran zu gehen; aber die Pflichten meiner Stellung ge⸗ ſtatten es mir leider nicht. Wie lange haben wir uns nicht geſehen! Fräulein Necker iſt indeſſen herangewachſen und ſo groß und ſtark geworden, daß ich ſie kaum wieder⸗ erkannt hätte. Die Landluft iſt ihr bekommen. Und jetzt wohnen Sie ganz in Saint Ouen, wie mir der Herzog mittheilte. Sie haben den Freuden der Hauptſtadt entſagt?

Oder vielmehr, ich habe ſie nie gekannt, fiel Ma⸗ dame Necker lächelnd ein.Ein angenehmer, häuslicher Kreis war ſtets das Höchſte meiner Wünſche, und als dieſe überboten und theilweiſe vernichtet wurden, indem ich em⸗ pfangen und repräſentiren mußte, fügte ich mich dieſem Wechſel mehr als einer Pflicht, denn als einer Gunſt des Schickſals.

Gottlob alſo, daß es Ihnen dieſe Laſt wieder ab⸗ nahm, bemerkte Madame de Genlis etwas boshaft.

Wenn es auf mein perſönliches Intereſſe aukäme, gewiß Gottlob! verſetzte Madame Necker mit ihrer ge⸗ wöhnlichen, eiſigen Ruhe;hier aber iſt von Frankreich die Rede, von dem Wohl und Wehe der franzöſiſchen Nation, da muß der Eigennutz ſchweigen.

Daß Sie, als Fremde, einen ſo warmen Antheil an uns nehmen, müſſen wir ſehr erkennen, ſagte Frau de

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