Teil eines Werkes 
1. Bd. (1859)
Entstehung
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Warum auch nicht! Beweiſt doch der Gang meines eigenen Lebens, daß ich recht geſehen. Denken Sie nur an meine Lage, als ich in der Kirche Saint Sulpice an talten Wintermorgen früh um ſechs Uhr für acht Sous eine Meſſe leſen mußte, um nur nicht zu verhungern. Was wäre da aus mir geworden, ohne die Hoffnung auf die Zu⸗ kunft! Sagen Sie ſelbſt, lieber Necker, ob ein Menſch dieſe Lage hätte ertragen können, ohne dies innere Ver⸗ trauen auf beſſere Tage. Hoffnung iſt mein Lebens⸗ element!

Nun, nun! lieber Raynal, erwiederte Necker mit ernſtem Humor,Sie fanden doch auch noch einige andere Mittel, um Ihren Zuſtand erträglich zu machen, als bloß die Hoffnung.

Was wollen Sie! Noth kennt kein Gebot, ſagte dieſer, ſeine buſchigen Augenbraunen zuſammen ziehend.

Das iſt kein ganz chriſtlicher Grundſatz, wie mir ſcheint, erwiederte Necker lachend.

Wer in das Waſſer fällt, darf nicht erſt fragen, welche Hand ihn wieder herausziehen ſoll, ſagte der Abbé heiter.Da mir die Lebenden meinen Unterhalt ſo ſpär⸗ lich reichten, ſo mußte ich mich an die Todten wenden, und das iſt es doch, worauf Sie hindeuten wollten; am Ende

* Raynal. Biographie Universelle.