Teil eines Werkes 
3. Bd. (1860)
Entstehung
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Unſere Fehler ſind auch zugleich unſere Tugenden. Am liebſten hätte ſie ſich in ein Kloſter zurück⸗

gezogen, und ohne Zweifel wäre ein ſolcher Aufenthalt, Leben und Treiben einer Reſidenz, in der ſie jetzt als Gefangene lebte, ihrem Gemüthe weit zuträg⸗ licher geweſen; doch hielt ſie der Churfürſt von Trier

fern von dem

davon ab. Sie hatte noch Mutterpflichten

zu erfüllen,

und, indem ſie dieſen genügte und ihnen das Beiſpiel eines beſchaulichen Lebens gewährte, konnte ſie nicht nur ſich ſelbſt auf den Himmel vorbereiten, ſondern auch auf der Erde noch Nützliches wirken.

Demüthig nahm ſie ihr Kreuz auf ſich. Wir ſind unſeres eigenen Schickſals Schmied, das ſagte ihr der Verſtand, in Bezug auf unſer inneres Leben. Ihrem der ſchon 21 Jahre zählte, dictirte ſie die Früchte ihres Nachdenkens in die Feder; er ſchrieb Sentimens d'une ame pénitente sur

Sohne Anton,

für ſie nieder:

le psaume miserere, und Principes de chrètienne, welche beide von der tiefen Andacht ihres

Gemüthes Zeu

gniß ablegen.

morale

Ihr Briefwechſel mit Friedrich dem Großen ward wieder angeknüpft, ohne daß ſie darin der eingetretenen Pauſen gedachten. Wie ſonſt, blieb es ein geiſtiger Aus⸗

tauſch über Literatur und Kunſt, es war der kalte Ver⸗