190
die Möglichkeit gedacht, den Prinzen Karl an die Stelle ſeines älteren Bruders treten zu laſſen.
Agdolo war zu ſeinem Unglücke ſo wenig vorſich⸗ tig in ſeinen Mittheilungen über dieſen Punkt, wie in Bezug auf ihn ſeine arme Herrin es geweſen. Das Ge⸗ rücht, von den Alten ſo gut als hundertzungige Fama perſonifizirt, erzählte bald von Mund zu Mund, was Agdolo im Schilde führe, und in wenigen Tagen war ganz Dresden von der ſchrecklichen Kunde erfüllt, die Churfürſtin⸗Mutter ſtelle ihrem Sohne mit Dolch und Gift nach dem Leben, untermiſcht mit den wunderbarſten Erzählungen über den Inhalt von Agdolo's Papieren, mit denen man ihn nach Regensburg reiſen und dort beweiſen laſſen wollte, Friedrich Auguſt ſei nicht der rechtmäßige Sohn ſeines Vaters.
Nur der Churfürſt allein blieb dieſen Nachrichten noch fremd; einſichtsvolle Männer ahnten jedoch ſchon, wie er es hinnehmen würde, die Ehre ſeines Namens von einem Abenteurer ſo mit Füßen treten zu laſſen, und gutmeinend warnten ſie Agdolo ſich zu retten, bevor das Ungewitter ſich auf ihn entlade.
Er lieh dieſem weiſen Rathe taube Ohren. Nur als man wiederholt in ihn gedrungen, ſeiner Unvorſich⸗ tigkeit ein Ziel zu ſetzen, begann er einzuſehen, wie thöricht er gehandelt. Indem er die Churfürſtin verrieth,


