Wie hier zuvorkommen? Sie fand vor dieſem Gedanken keine Ruhe. Eine Ahnung ſagte ihr, wie viel für ſie auf dem Spiele ſtehe, mehr noch als Thatſachen ſprach ein dunkles Vorgefühl ihr mahnend zu.
Sie wollte ihm ſchreiben. Aber ein Brief konnte verloren gehen und ſo zu ihrem ſchlimmſten Verräther werden. Sie wollte Hegewald an ihn abſenden. Dieſer aber befand ſich noch in Dresden, wohin ſie ihn geſen⸗ det, um mit ihren Schuldnern zu unterhandeln.
Wie ſollte ſie einen Boten finden, dem ſie vertrauen durfte?
Die Zeit enteilte. Jeder Tag konnte Agdolo mit dem Vorgefallenen bekannt machen, und wurde ihm dieſe Mittheilung aus fremdem Munde, ſo wirkte ſie nur doppelt verletzend auf ihn.
In ihrer Verzweiflung griff ſie nun endlich dennoch zur Feder.
Doch bevor der Brief ſein Ziel erreichte, war das Gefürchtete ſchon eingetroffen. Agdolo hatte noch andere Correſpondentinnen, als die Churfürſtin Maria Antonia. Sie hatte manch' unbedachtes Wort fallen laſſen über ihre Abſichten in Bezug auf Prinz Karl, und dazu Briefe nach Wien auf die Poſt geſandt; das Uebrige errieth ſich leicht. Agdolo erhielt ein Schreiben voll Muthmaßungen
12*


