Teil eines Werkes 
3. Bd. (1860)
Entstehung
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kleinen Fäden ſpinnen dürfen, die, oft geknüpft, auch oft zerreißen. Sie ſtehen nicht an Ihrem Platze, Prinzeſſin. Sie bedürfen für Ihr Talent ein großes Feld.

Das weiß ich längſt, Graf Brühl! erwiderte ſie mit ſo kalter Ruhe, daß der feine Höfling faſt zweifelte, ſie habe den Sinn ſeiner Worte verſtanden.Das weiß ich längſt, und wußte es, ſo wie ich dieſes Land betrat. Doch die Zeit ſteht ja nicht ſtill, Graf Brühl, es ver⸗ rinnt ja mit jeder Minute ein neues Jahr, und was ich bin, das werde ich wenigſtens auch⸗bleiben; komme was da wolle, ſo bin ich die Gemahlin des Churprinzen von Sachſen und die Mutter meiner Söhne, und werde als ſolche auch auf meinem Platze ſtehen.

Der Miniſter erbleichte. Unwillkürlich glitt ſein Auge nach der Seite hin, wo der König ſtand, als wolle er ſich von deſſen Exiſtenz überzeugen. Lachend und ſcher⸗ zend gewahrte er dieſen in einer Gruppe junger Leute; doch, von Gicht gelähmt, und mit mancherlei Uebeln ei⸗ nes frühzeitigen Alters behaftet, ließ ſich die Dauer ſei⸗ nes Lebens darnach freilich nicht beſtimmen. Eine ſolche Betrachtung mochte ſich jetzt zum erſten Male dem ſtolzen Miniſter aufdringen, und wie wenn damit zugleich die Luſt und der Glanz um ihn ſich in Nacht verwandelt, nahmen ſeine Züge einen Ausdruck ängſtlicher Beſorgniß