Teil eines Werkes 
3. Bd. (1860)
Entstehung
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wegte ſie Alles, wie durchſchauerte ſie jeder Ton, wie ſpähte ihr Auge fieberhaft, um in den Mienen der Zu⸗ ſchauer Lob oder Tadel zu leſen und das nicht aus⸗ geſprochene Wort zu belauſchen. Hatte ſie je gezittert, wie ſie heute zitterte, je gebangt, wie ſie heute bangte? Hatte an irgend einem Wendepunkte ihres Lebens, wo all ihr Hoffen, all ihr Wünſchen auf einem Wurfe in des Schickſals Urne ruhte, ein einziger Gedanke je, wie heute, ſie beherrſcht?

Jetzt konnte ſie des Künſtlers Seligkeit, aber auch ſeinen Schmerz ermeſſen. Auf der höchſten Stufe des menſchlichen Seins, wo er ſich ſeiner ſchöpferiſchen Kraft bewußt wird, und ſchwindelnd von ſeiner Höhe herab an die Welt appellirt und ſie aufruft über ſeine Begabung Richter zu ſein, wandelte ſie Verzweiflung an vor der Ungewißheit dieſes Urtheils. Während einerſeits nie ge⸗ kanntes Wonnegefühl ſie durchſchauerte, überließ ſie ſich in der nächſten Minute dem Zagen, das des eigenen Un⸗ genügens unzertrennlicher Begleiter iſt.

Doch, unbegrenzter Beifall krönte ihre Arbeit. Lob war auf jeder Lippe. Verſtand dieſe Geſellſchaft auch ſonſt ſehr wenig, ſo verſtand ſie doch Muſik, ſo war das Ohr doch dafür gebildet, und mit Staunen gewahrte man, was eine königliche Prinzeſſin hier geleiſtet. König Auguſt ſelbſt ſprach ſeine ſtolze Befriedigung aus, in einer Tochter ſo große Talente vereinigt zu finden, und nannte