Teil eines Werkes 
3. Bd. (1860)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

20

vorüber gleiten und öffnete der Freude weit alle Thore. Es waren große Kinder, die unbekümmert um den näch⸗ ſten Tag ſich der Luſt hingaben, ohne, wie Voltaire ſagt, des blutigen Schlußes am Ende des letzten Actes zu ge⸗ denken.

Rouſſeau hatte ſeinen Emil geſchrieben, der öffent⸗ lich in Genf verbrannt worden und ſeinen Autor landes⸗ flüchtig gemacht. Das Fach der Erziehung blieb immer noch unangebaut; die junge Seele naturgemäß zu entwi⸗ ckeln und ſie zum Nachdenken durch Anſchauung zu führen, blieb ein noch ungeweckter Begriff; der Menſch als Individuum war noch nicht in ſeine Rechte einge⸗ treten.

Auf ſolchem Standpunkte allgemeiner Anſchauungen konnte ſelbſt eine ſo geiſtvolle Fürſtin, wie Maria An⸗ tonia, ihrem Jahrhundert nicht vorauseilen und ihre Kin⸗ der ſich ſelbſtändig entwickeln laſſen. Sie ſollten werden, was ſie aus ihnen zu machen wünſchte.

Inmitten ihrer Sorgen um die ruſſiſche Politik und den Marſch ruſſiſcher Soldaten nach Polen, war ſie bemüht den Prinzen und Prinzeſſinnen ihrer Familie die Rollen zu ihrer OperPaleſtris, Königin der Ama⸗ zonen einzuſtudiren*), die ſie ſo ſehnlich aufgeführt

²) Weber, Maria Antonia Walpurgis.