Maria Antonia wagte nicht einmal zu äußern, daß ſie ſehr ungerne auf eine Macht verzichte, die ſie in ihren Händen beſſer aufgehoben glaube, wie in den ſei⸗ nigen. Sie mußte ſchweigen und— geſchehen laſſen.
Wohl mag man das Schweigen golden nennen— ſo golden, wie manche goldene Regel; doch kann man nicht minder den beneidenswerth finden, welchem, wo er das Rechte will, die ſilberne Rede geſtattet iſt.
Brühl regierte jetzt wieder nach alter Weiſe. In⸗ mitten einer aus Aſche und Trümmern beſtehenden Reſi⸗ denz, voll hungernder Bewohner, richtete er des Königs Auge auf luſtige Feſte, die ihn der Gegenwart vergeſſen laſſen möchten. Er ſelbſt verließ ihn dabei keine Stunde, begleitete ihn, wohin er auch ging, und ſorgte für die Unterhaltung des kranken Monarchen, der ſeiner keine Minute zu entbehren vermochte.
Er fröhnte ſeiner Lebensluſt und hütete ihn wie einen Gefangenen.
Der Herzog von Churland, Prinz Karl, war zu⸗ rückgekehrt nach Dresden, ſeit die Kaiſerin von Rußland geſtorben. Seine Krone wankte, ſeit eine fremde Hand ſie nicht mehr auf ſeiner Stirne befrſtigt hielt, wie die von Polen auf dem Haupte ſeines Vaters. Peter MI. war nur eine Epiſode in der Geſchichte; ſeine Gemahlin, welche nach ihm den Thron beſtieg, war den ſächſiſchen


