Teil eines Werkes 
3. Bd. (1860)
Entstehung
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keit goßen Balſam in die Wunde und beruhigten ihren Schmerz; bald gehörte ſie wieder ganz der Gegenwart an, die ihr jetzt noch durch einen fortgeſetzten Briefwechſel mit Friedrich II. verſchönert ward. Der Rath, und mehr noch der Beifall dieſes Monarchen, ſo wie die Aus⸗ drücke ſeiner Bewunderung verliehen ihrem Leben einen neuen Reiz. Jeder Brief von ihm erhöhte ihre Stim⸗ mung und ließ Tage lang einen Nachhall in ihrer Seele, und indem ſie zurück ihn beantwortete, ſah ſie ſchon wie⸗ der erwartungsvoll dem Empfange eines neuen Schrei⸗ bens entgegen.

Auguſt II. traf indeſſen von Warſchau ein und wurde feſtlich bewillkommt. Das Volk liebte ihn nicht, und dennoch jauchzte es bei ſeinem Einzuge. Brühl kam mit ihm, und man fürchtete Brühl wie hätte man alſo gewagt bei ſeinem Einzug nicht zu jubeln. Die Aerzte ſandten den König gleich darauf nach Teplitz, um ſeine von der Gicht gelähmten Glieder durch die warmen Bä⸗ der zu ſchmeidigen. Mit ihm ging auch ſein Miniſter da⸗ hin, durch deſſen Rückkehr die zeitweilige Regentſchaft der Churprinzeſſin erledigt war; denn er bedurfte jetzt kei⸗ nes Collegen, um ſeine Stelle zu erſetzen, er konnte mit eigenen Augen ſehen und konnte handeln, ohne ſeine Be⸗ weggründe nennen zu dürfen. Die hellſehende Frau war ihm dabei im Wege.