Teil eines Werkes 
2. Bd. (1860)
Entstehung
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Weil ich Sie nicht kannte, Prinzeſſin, ſagte Friedrich ernſt.

Unter ſolchen Geſprächen verging das Mahl, und erſt als es beendet, trat der Churprinz mit dem Könige in ein Seitengemach und hinter ihnen ſchloſſen ſich die Thüren. Was Beide hier mit einander verhandelten, das vernahm kein Ohr, und nur aus den Folgen konnte man über den Inhalt ihres Geſpräches urtheilen.

Entſchädigung ward dem armen Sachſen nicht und das ſchöne Dresden ſollte ſich nie mehr von den ihm geſchlagenen Wunden erholen. Fünfzig Millionen hatte Friedrich dem Lande entzogen, und dieſe gab er nicht wieder zurück, die eingeäſcherten Dörfer und Städte bauete er ihnen nicht wieder auf, die Zahl ihrer Ein⸗ wohner ſtellte er nicht wieder her. War nicht ſein eigenes Land verödet, waren nicht ſeine eigenen Staaten entvöl⸗ kert, und er, als guter Regent, verbunden zuerſt für Preußen zu ſorgen: ſo befahl er denn ſeinen Soldaten, bei ihrem Abzuge aus Sachſen ſich Frauen zu entführen, von den ſchönen Mädchen, die hier auf den Bäumen wachſen, ſollte Jeder eins heim zu führen ſuchen. Nicht unähnlich dem Raube der Sabinerinnen ging nun Jeder mit einem Weibchen über die Grenze, und den Sachſen blieb das Nachſehen.

Der Churprinz und ſein Gaſt ſchieden gegenſeitig