Teil eines Werkes 
2. Bd. (1860)
Entstehung
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genießen faſt alle Vortheile eines claſſiſchen Bodens, ſie lernen ſpielend, was ein Anderer ſich ſchwer erwirbt.

So ſcheint es, Sire, erwiderte die Churprin⸗ zeſſin;doch können wir unſern Kindern nicht die Nei⸗ gungen einflößen, welche wir ihnen wünſchen. Mein älteſter Sohn beſitzt nicht Ohr, nicht Auge und wird, ich fürchte, niemals die Kultur ſeines Landes fördern wollen.

So iſt er ein echter Deutſcher, ſagte Friedrich herber.Es geht dem Volke leider aller Geſchmack ab.

Sind Sie davon ſo ganz überzeugt? warf der Churprinz ein.Mir däucht, wir ſollten dieſe Regel nicht ſo unbedingt feſtſtellen, da wir doch auch auf dieſem Boden emporgewachſen ſind.

Ausnahmen beweiſen die Regeln, ſagte Friedrich ſcharf.

Können ſich aber in ihrer Zahl vermehren und die Regel damit umſtoßen, fuhr der Churprinz fort. So leiſten wir doch in der Muſik bereits Bedeuten⸗ des. In der Malerei können wir auf unſern Mengs recht ſtolz ſein, und Haller, Hagedorn, Bodmer, Utz, Gallert geben für unſere Dichtung ſchöne Beweiſe; ſo wie Wie⸗ land, Klopſtock, Leſſing, Kleiſt, Gleim, Ramler und Geßner der deutſchen Sprache eine große Zukunft pro⸗ phezeihen. Ich bin daher der Anſicht, daß wir uns unſe⸗