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artigſten Worten. Man ſpeiſte in kleinem Kreiſe, denn es waren nur zehn Couverts gelegt, und unterhielt ſich auf die heiterſte Weiſe, ohne der überſtandenen Drangſale, ohne des Zweckes zu gedenken, durch den man hier zuſam⸗ mengeführt.
Die Kunſt und namentlich die Muſik bot ihnen den Stoff zu ihrem Geſpräche, das franzöſiſch geführt wurde. Friedrich waren die Talente ſeiner Nachbarin nicht unbekannt, der Ruf hatte ihn lange darüber be⸗ lehrt, wie vielſeitig gebildet ſie ſei, und bald nahm er wahr, daß man ihm nicht zu viel geſagt. Er fand ihr Urtheil ſo beſcheiden als gediegen, und ſo wenig ihn ſonſt die Geſellſchaft der Frauen anzog, ſo mußte er ſich ge⸗ ſtehen, hier ſei eine Ausnahme auch für ihn zu finden.
„Wir können uns nun auf's neue dem Dienſte der ſchönen Künſte widmen,“ bemerkte er gegen Maria An⸗ tonia, als von ihren Compoſitionen die Rede geweſen, „und müſſen die verlorenen Stunden einzubringen ſuchen. Wir Fürſten theilen darin alle ein gleiches Loos, daß wir den Muſen nur huldigen, doch keine von ihnen als erklärte Geliebte beſitzen dürfen. Darum auch können wir nie etwas Vorzügliches leiſten.— Ich habe mir ſchon ſchwer genug errungen, was ich in ihrem Dienſte erwor⸗ ben; denn es koſtete mir einſt meines Vaters Liebe.— Ihren Kindern iſt darin ein beſſeres Loos gefallen; ſie
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