bare Sachſen mit einem Mehlvorrath aus fremden Ländern zu verſorgen. Nach allen Seiten hin erhob die dringende Noth ihren Angſtruf.—
Die junge Fürſtin half ſo viel es in ihrer Macht ſtand; doch war ſie ja immer noch nicht unumſchränkte Gebieterin, weder über die Finanzen, noch deren Erhe⸗ bung, denn in der Ferne lebte noch ein Brühl und ließ das Ruder des Staates ſeiner Hand nicht entfallen. Daneben vermochte ſie wiederum auch nicht ihre perſön⸗ lichen Ausgaben zu beſchränken, und fiel dadurch ſtets auf's neue einer Aushülfe des Miniſters anheim.
Die Erziehung ihrer ſieben Kinder lag ihr jetzt ebenfalls ganz ob. Der älteſte Sohn, Friedrich Auguſt, wuchs hoch heran. Er war ein ernſter Knabe, von ſchönen Eigenſchaften des Herzens; doch verſchloſſenen Sinnes und gab ſich keinem Eindrucke leicht hin. Die man⸗ gelnde Offenheit ſeines Weſens verurſachte ſeiner Mutter häufig Kummer. Sie hätte ihn mittheilend, herzlich, liebevoll gewünſcht, und er zeigte nichts von dem allen. Wo ſie ihm entgegen kam, da zog er ſich ſcheu zurück. Wo ſie ihn zur Theilnahme aufforderte, da wandte er ſich mit düſterem Blicke von ihr ab.
Ein Etwas, das ſie nicht ergründen konnte, ſchien zwiſchen Sohn und Mutter ſich zu drängen. Er lernte vortrefflich, ſeine Lehrer waren mit ihm zufrieden, er
1860. X. Maria Antonia. II. 12


