Teil eines Werkes 
2. Bd. (1860)
Entstehung
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ſie Dresden, ihr liebes Dresden, verſtümmelt wieder erblickt. Wie man es ihren Augen auch zu verdecken ge⸗ ſucht, doch waren ihnen die Schutthaufen nicht entgan⸗ gen, die ſich zu Hügeln aufgethürmt, wo ſonſt die Stra⸗ ßen geſtanden. Die große Kreuzkirche bedeckte eine weite Strecke mit ihren Trümmern und ſtand nun, als mäch⸗ tige Ruine, inmitten der ſie umgebenden Verwüſtung da. Auf ihren Trümmern ſtehend, ſangen die Chorknaben eine Friedenshymne. In der katholiſchen Kirche wurde ein Tedeum geſungen, wobei die Trompeten ſchmetterten, die Pauken wirbelten, den geſunkenen Muth der Bewoh⸗ ner durch Töne der Freude zu beleben; doch ſo ſchnell heilten ſo tiefe Wunden nicht.

Am Abend war der Hof beim Churprinzen ver⸗ ſammelt, die Kerzen brannten, die Kammerherren trugen die Schlüſſeln, die Pagen die Schleppen; die Schönen fächelten, wie ſonſt, die geſchmückten Wangen und lächel⸗ ten koquett hinter dem erhobenen Fächer hervor. Jeder bemühte ſich zu ſcheinen, was man vormals geweſen, ein leichtfertiges Völkchen voll Uebermuth und Laune, ein tändelndes Kind des Augenblickes; doch mitten in die heiterſte Rede drängte ſich irgend eine Frage, und damit eine Erinnerung ein, und das Lächeln verſchwand und die Thräne ſtahl ſich unter dem geſenkten Lide hervor. Der Ernſt des Lebens hatte zu tief in alle Exiſten⸗