ſo daß ſie auf ihre Umgebung nicht hörte und den trau⸗ rig und forſchend auf ihr haftenden Blick des Churprin⸗ zen nicht bemerkte.
Da wurden die Flügelthüren weit geöffnet und der „Graf von Abendberg“ als Gaſt angemeldet.
Erſtaunt blickten Alle auf. Um dieſe nächtliche Stunde ein Unbekannter, mit allem Ueberſpringen gewöhnlicher Etikette, konnte nur ein Bote des Unglückes, vielleicht aus feindlichem Lager ſein.
Indeſſen trat der Genannte in den Saal, und mit einem lauten, freudigen Schrei der Ueberraſchung ſtürzte ihm Maria Antonia,„mein Bruder!“ rufend, alſobald in die Arme.
Der Churfürſt von Baiern wollte ſeine Schweſter, wie im Jahre 1749, durch ſeinen Beſuch überraſchen, und war ihr zu jener Zeit die Gegenwart eines ſo ge⸗ liebten Verwandten ein Troſt und eine Freude geweſen, ſo gewährte ſein Anblick ihr heute ein kaum zu beſchreiben⸗ des Glück! Selten nur herrſchte unter Geſchwiſtern eine ſolche Uebereinſtimmung des Geſchmackes und der Nei⸗ gung, wie unter ihnen Beiden. Durch ſeine Gegenwart gehoben und getragen, vergaß Maria Antonia, daß ſie eine flüchtige Fürſtin ſei, und gab ſich dem Augenblicke hin. Wie früher, trieben ſie Muſik mit einander, luden ihre Bekannten von damals ein und nahmen an kleinen 1860. X. Maria Antonia. II. 11


