Elftes Enpitel. Die Flucht vor dem Bombardement.
Im Palaſte Czernin in Prag herrſchte ein reges Leben. Es war von Wien aus der Befehl eingelaufen, ihn zum Empfange des Churprinzen von Sachſen nebſt Gemahlin und Hofſtaat einzurichten, und der Graf Nettolinski überſah jetzt die Räumlichkeit und ordnete ihre Verwendung an.
Die Kaiſerin Maria Thereſia hatte ihren Ver⸗ wandten ihre Gaſtfreundſchaft angeboten, für den Fall, daß die Preußen eine Wiedereroberung Dresdens ver⸗ ſuchen ſollten und ihre Sicherheit dadurch gefährdet ſei. Es war wohl das geringſte, was man einer verbün⸗ deten Macht leiſten konnte, welche das Opfer dieſer Freundſchaft wurde; aber auch dieſes Geringe wurde auf wenig großmüthige Weiſe gereicht.
Maria Antonia, wie alle Frauen ihrer Familie, haßte ihre hohe Verwandte, und begehrte ihre Broſa⸗ men nicht, nachdem ſie ihr den kaiſerlichen Thron genom⸗ men. Auch jetzt alſo ſchickte ſie ſich nur langſam in die Nothwendigkeit, dies Erbieten annehmen zu müſſen. Ihrer eigenen Sicherheit wegen wäre es vielleicht nie geſchehen,


