des beſten Rufes genieße*). Er kam von Leipzig als Fremder hierher und war daher mit den Localitäten nicht vertraut.
Gleich bei ſeiner Ankunft wartete er dem Grafen Brühl pflichtmäßig auf und wurde von dieſem mit ge⸗ winnender Artigkeit empfangen. Er konnte höchſt ver⸗ bindlich ſein, der ſtolze Miniſter, und war faſt zu ver⸗ bindlich, ſobald er zu gewinnen wünſchte. Hier fürchtete er nun noch die Feder des Gaſtes.
Rabener trat ihm mit ſchönem, ſtolzen Weſen und lachender Miene entgegen. Ihn konnte der Rang des Mannes und ſeine geſtickten Kleider und galonnirten Die⸗ ner nicht einſchüchtern; denn ſein ſcharfer Blick drang bis in die innerſten Falten des Herzens und entdeckte hier, was ihn von aller Demuth fern hielt. Er fühlte eher Mitleid mit dem Manne.
„Sie ſchreiben gar anmuthige Sachen,“ hatte Graf Brühl im Laufe der Unterhaltung bemerkt.„Und dennoch nennt man Sie einen ſehr gewiſſenhaften Arbei⸗ ter. Ich bewundere, daß Sie Beides zu vereinen ver⸗ ſtehen.“
„Erſt der Pflicht gehorcht, und dann die Erholung gewährt, Excellenz,“ antwortete der Steuerſeeretär mit
²) Rabener's Briefe an Cramer.


