Da Maria Antonia bei ihren vielen Arbeiten ge⸗ ſchickter Copiſten bedurfte, die ihr die Mühe des Wieder⸗ ſchreibens einer verbeſſerten Sache erſparten, ſo benutzte ſie dazu junge Leute von Talent, welche der franzöſiſchen Sprache hinreichend mächtig waren, um dieſen Dienſt nach ihren Wünſchen zu erfüllen. Genöthigt dieſe jungen Männer in ihrer Gegenwart arbeiten zu laſſen und viel mit ihnen zu verkehren, erfuhr ſie häufig die Unannehm⸗ lichkeit, daß in ihren Köpfen ein Wahn entſtand, der ſie beleidigte. So hatte ſie denn erſtlich einen jungen Herrn Baum nach dem Königſtein zu ſenden, dann einen Sieni Piani des Planes in die Pleißenburg einſperren zu laſſen, wo die Pater Jeſuiten ihm Vernunft predigten, womit ſie auch glücklich zu Stande kamen. Die Lange⸗ weile allein belehrte ihn ſchon über ſeine Thorheit.
Dergleichen Vorgänge und die damit verbundenen unangenehmen Scenen ſollten aber ſowohl dem Hofe, wie der Stadt möglichſt fremd bleiben, um allen Miß⸗ deutungen vorzubeugen; die Prinzeſſin nahm daher bei dieſen Veranlaſſungen die Juſtiz in ihre eigene Hand, und erließ die der Sache entſprechenden Befehle in ihrem eigenen Namen.
War dies geſchehen, dann erſt ſchrieb ſie nach War⸗ ſchau und rechtfertigte ihr Thun vor dem Könige und dem Miniſter. Der ſchlaue Brühl billigte ihre Handlungs⸗


