Teil eines Werkes 
2. Bd. (1860)
Entstehung
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ein Beweis der Höflichkeit, der Achtung darin, daß man den künftigen Thronerben mit dem, was vorging, bekannt machte, während man ihn bis jetzt ſo behandelt, als ob er nur eine Privatperſon ſei.

Beſonders freute ſich Maria Antonia über dieſen kleinen Schritt vorwärts auf dem Wege zu einer Macht, die ſie leider nie gewinnen ſollte. Es ermuthigte ſie zu hoffen. Der kluge Brühl hatte es wohl vorausgeſehen, wie günſtig es auf ihre Stimmung wirken würde, ihren Gemahl eine ſcheinbare Regentſchaft führen zu ſehen, und ihr darum dieſe Befriedigung gewährt. Er las aus ihren Briefen an ihn, wie ſie das monotone Hofleben, das Beengende, in einem kleinen Kreiſe ſich auf das kleinlichſte überwacht zu ſehen, verſtimmte. Indem ſie nun mit ihrem Gatten über die Staatsangelegenheiten unterrichtet wurde, indem ſie vernahm, was außerhalb ihrer kleinen Hofgeſellſchaft ſich zutrug, wurde ihr lebhafter Geiſt anderweitig beſchäftigt, und das Einerlei ihrer Tage drückte ſie nicht mehr.

Eine eifrige Correſpondenz hielt ſie dabei mit der übrigen Welt in Verbindung. Freilich gingen die Poſten damals langſam, es herrſchte kein reger Verkehr, wie jetzt, man mußte Wochen, ja Monate auf eine Antwort warten; allein endlich einmal erfolgte dieſe doch. Ihre Schwägerin war an den Sohn Ludwig's XV. verhei⸗