Der Prieſter verſchwand, um den ihm ertheilten Auftrag auszuführen.
Indeſſen hatte Raphael Mengs ſich an dem An⸗ blicke ſeines theuren Annibali erquickt und mit dieſem einen raſchen Gang über die ſchöne Brücke unternommen. Das war ſein Dresden noch, ſein liebes Dresden! Hier wehten ihn die Lüfte heimiſch an, hier begrüßte des Stro⸗ mes Rauſchen ſein Ohr mit Liebesgruß, hier klang aus jedem Munde ihm eine Sprache entgegen, die ſein Herz verſtand!
„O Heimath! wie groß iſt dein Zauber!“ rief er begeiſtert aus.„Und doch könnte ich ihn Niemandem beſchreiben. Tief in der Seele liegt dies Etwas begraben, das uns an den Boden feſſelt, wo wir geboren, ohne daß wir dieſe Vorliebe enträthſeln zu können!“
Sie waren jetzt auf dem Rückwege begriffen, und vor ihnen lag nun, vom Monde beſchienen, das alte Schloß mit ſeinen düſtern Mauern, und rechts ſich daran ſchließend, die neu erbaute katholiſche Kirche, welche den herrlichen Zwinger dem Auge entzog.
„Aber ſagen Sie mir, Annibali,“ rief Raphael erſtaunt,„wird denn immer noch an dieſem Thurme ge⸗ baut? Schon bei meiner Abreiſe nahte er ſeiner Voll⸗ endung, und das iſt nun ſchon faſt vier Jahre her, und heute ſehe ich daran die hohen Gerüſte, wie damals.“


