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„Aber wie haben Sie ihn denn ſogleich aufgefunden? Wie wußten Sie es, daß er kam?“
„Ich hatte keine Ahnung davon und ſchlenderte nur ein bischen im Dämmerlichte durch die Straßen, als ein ſchwer beladener Wagen mir auffiel; ich folgte ihm und ſah ihn vor dem Hauſe des alten Mengs anhalten. Da ſchöpfte ich gleich Verdacht, und näher tretend, ent⸗ deckte ich die ganze Familie darin.“
„Auch meines Raphael hübſche Frau? Sie ſoll ja wunderſchön ſein?“
„Wohl möglich; doch fand ich es für mich nicht ſchicklich, mein Auge auf ihren verführeriſchen Reizen weilen zu laſſen,“ ſagte der Prieſter mit frommem Nie⸗ derſchlag des Auges.
Der König lachte laut auf.
„Was fällt Ihnen ein?“ fragte er dann.„Ich finde, daß dieſe Vorſicht ein wenig zu ſpät kommt.“
„Beſſer immer als niemals,“ erwiderte Guerini gut gelaunt.
„Eilen Sie nun hin zu meinem Raphael und ſagen Sie ihm, daß ich ihn morgen ganz früh zu ſehen wünſche. Ich brenne darauf. Was für ein Bild mag er wohl für mich mitgebracht haben! Es wird mir den Schlaf rauben. Gute Nacht, mon pére.“


