Teil eines Werkes 
2. Bd. (1860)
Entstehung
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den böſen Zahn ausziehen zu dürfen. Was auch die ge⸗ lehrte Facultät dazu ſagen mochte, Maria Antonia ver⸗ traute ſich der Hand dieſes Luſtigmachers an und ſiehe da! er bewies ſich als Meiſter.

In doppeltem Sinne mochte ſie nun ihrem Heili⸗ gen danken, und trat daher um ſo williger ihre Pilger⸗ fahrt an.

Doch nicht zu Fuß, nicht mit dem Stabe in der Hand, nicht auf die Hospitalität Gutwilliger angewieſen, begann ſie ihre Reiſe nach dem Schreine des Heiligen. So pilgerte man nicht mehr. Ihr Gemahl begleitete ſie, die königlichen Wagen, von den beſten Poſtpferden be⸗ dient, beförderten ſie ſchnell ihrem Ziele zu, und dienſt⸗ befliſſene Beamte bereiteten ihr jede Bequemlichkeit. Tet⸗ ſchen, Bodenbach, die ſchönen Gegenden der ſächſiſchen Schweiz erquickten ihr Auge, bis ſie endlich die herrliche Moldau vor ſich ſah, und die Hauptſtadt Böhmens, mit ihren eigenthümlich grünen Kuppeln und Thürmen, ſo verſchieden von allen nordiſchen Städten, in ihrer wun⸗ derbaren Pracht und Schönheit vor ihrem trunkenen Auge da lag. Vor Ueberraſchung verſtummend, blieb ihr nur ein leiſes Ach! der Begrüßung, wodurch ſie ihr Ent⸗ zücken beredter, wie durch Worte, verrieth.

Sie ſtieg bei ihrer Anverwandten, der Herzogin