Teil eines Werkes 
2. Bd. (1860)
Entstehung
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ohne Zweifel an ihrer ſitzenden Lebensweiſe, an dem Mangel an Bewegung und Luft.

Zahnweh geſellte ſich nun noch zu ihren übrigen kleinen Leiden, Zahnweh dieſer der Hölle entnommene Schmerz, der uns gleichgültig ſtimmt gegen jeden Reiz des Lebens.

Wie leicht iſt es ein großes Mißgeſchick zu ertragen, das unſern moraliſchen Menſchen in ſeiner Würde einem unverdienten Schickſal gegenüber hebt, und wie ſchwer ein Weh zu erdulden, das jeden Nerv erzittern macht und dennoch uns um keinen Zoll in unſeres Nachbars Achtung erhöht.

Ach! Nur die Tugend iſt ſchwer zu üben, welche uns den Beifall Anderer entbehren läßt.

Die Aerzte am Hofe Auguſt's III. wußten nicht mit kranken Zähnen umzugehen, noch weniger aber ſie aus⸗ zureißen, ohne ein Stück Kinnbacke mit hinwegzunehmen. Maria Antonia ſchauderte vor einer ſolchen Operation. Sie duldete lieber den Schmerz, als ſeiner durch ſolch ein Opfer entledigt zu werden.

Da meldete ſich eines Tages der Hanswurſt einer franzöſiſchen Truppe*) und bat, empfohlen durch die Kai⸗ ſerin, um die Vergünſtigung, der Frau Churprinzeſſin

*) Weber, Maria Antonia.