Teil eines Werkes 
1. Bd. (1860)
Entstehung
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ſer Freiheit, die Du mir gewährſt, liegt ein weit bin⸗ denderer Zwang, als in der ganzen Etikette dieſes cere⸗ moniöſen Hofhaltes. Hätte ich geahnt, wie groß Deine Selbſtverleugnung ſein könne, ſo würde ich Dir meine Abſicht vertraut und mir damit dies beſchämende Be⸗ kenntniß einer Heimlichkeit, die als ſolche eine Schuld iſt, erſpart haben. Aber nie, nie ſoll es wieder geſchehen!

Damit iſt der Friede geſchloſſen! ſagte der Churprinz lächelnd;nun aber laß uns überlegen, auf welche Art wir am vortheilhafteſten die Waffen ſtrecken. Vor Allem gilt es Jene in Warſchau mit ihren Ver⸗ läumdungen Lügen zu ſtrafen und ſammt dieſen prome- nades nocturnes lächerlich zu machen. Suche alſo Deine beſte Laune heraufzubeſchwören und ſchreibe dem Könige allerlei drollige Schnurren, wobei Du Deines Bruders Bericht über die vision formidable in Deinem Zimmer in München mit einflechten kannſt; dann werden ſie über die Geiſter in Baiern die Geiſter in Sachſen vergeſſen, und, indem ſie jene auslachen, nicht ſelbſt wegen ähn⸗ licher Vorgänge bei uns und ihren Glauben daran ausgelacht werden wollen.

Heller Sonnenſchein hatte ſich während dieſer Rede ihres Gemahls über das Angeſicht der jungen Frau ge⸗ breitet. Ihre großen blauen Augen lachten, ein muth⸗ williges Lächeln umſpielte ſogar ihren Mund.