großen Reiz; darum iſt das Empfangen von Briefen ein ſo angenommen willkommenes Ereigniß, nicht allein der Neuigkeiten halber, die ſie bringen, ſondern wegen des weiten Reiches von Möglichkeiten, womit die Erwartung unſere Phantaſie zu ſpielen lehrt.
So vergaß denn Maria Antonia, indem ſie die Siegel erbrach, auf einen Angenblick alle Erſcheinungen abgeſtorbener Seelen, und kehrte mit ihren Gedanken zu der nächſten Wirklichkeit zurück.—
Auch der Churprinz ging ſeine empfangenen De⸗ peſchen durch.
Seine Miene wurde dabei nachdenklich. Mehrere Male unterbrach er ſich ſelbſt in ſeiner Lectüre und ließ ſeinen Blick eine Minute lang forſchend auf dem Geſichte ſeiner Gemahlin ruhen. Dann, als hätte er in ihren Zů⸗ gen eine Beruhigung geleſen, kehrte er mit befriedigter Miene zu ſeiner Lectüre zurück.— Lange vor ihr hatte er damit geendigt; doch wartete er ſchweigend ab, bis ſie mit dem Leſen ihrer Briefe fertig geworden, ehe er ein Wort über den Inhalt der ſeinigen laut werden ließ.
Zetzt lachte ſie plötzlich laut auf.
„Man ſcheint Dir luſtige Sachen zu melden?“ ſagte der Churprinz fragend.„Mit mir iſt man nicht ſo gnädig verfahren.“
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