Zwülktes Cagitel. Die Geiſtererſcheinungen.
Unruhig wanderte Maria Antonia früh Morgens in ihrem Gemache auf und ab. Sie hielt ein offenes Schreiben in der Hand, deſſen Inhalt ſie lebhaft bewegt zu haben ſchien; denn ihr Geſicht war bleich, die Hand, welche das Blatt hielt, zitterte. Ihrer innern Aufregung Herr zu werden, bedurfte ſie der körperlichen Bewegung.
Nochmals las ſie den Brief durch, der ihr eine für ſie ſo beſtürzende Neuigkeit gebracht; dann warf ſie ihn auf den Tiſch und ließ ihn dort unbeſorgt um das Auge der Neugierde liegen(denn für den nicht Kundigen enthielt er Hieroglyphen, nur verſtändlich für den Beſitzer des Schlüſſels)— während ſie in das Ge⸗ mach des Churprinzen eilte.
Sie fand dieſen allein, wie es ſonſt um dieſe frühe Morgenſtunde ſelten der Fall war.
„Ich bin außer mir, Chriſtian!“ redete ſie ihn an, und ihr junger Gemahl gewahrte zugleich ihr bleiches Ge⸗ ſicht, ihr vor Aufregung glühendes Auge.—„Ich erhalte ſo eben einen Brief von meiner Mutter aus München... Oh! mein Gott!“


