Teil eines Werkes 
1. Bd. (1860)
Entstehung
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Ideal weiblicher Schönheit verwirklicht zu finden, wie es einer Mutter Gottes entſpräche.

Da begegnete ihm eines Tages unterhalb der Rui⸗ nen des alten Kaiſerpalaſtes ein Mädchen aus dem Volke, das an Schönheit alles von ihm bisher gekannte übertraf. Betroffen blieb er ſtehen und blickte ihr nach; dann entſchloß er ſich ſchnell und folgte ihren Schritten, bis ſie ſich, hinter dem Tempel der Veſta, in einem un⸗ ſcheinbaren Hauſe verlor. Auch er begehrte nun hier Einlaß, und als er dann in die düſtere Wohnung trat, fiel ihm in dieſer Umgebung die Schönheit des Mäd⸗ chens erſt doppelt auf.

In Rom war dem Golde ſtets Alles feil; leicht wurde ihm daher auch von den Eltern des Mädchens die Einwilligung ertheilt, es als Modell benutzen zu dür⸗ fen; doch begleitete ſie die alte Mutter auf den Wegen nach dem Atelier des ſchönen, blonden Künſtlers, der, gleich Haſſe, ein caro Sassone, ein caro Tedesco war.

Als der alte Papa Mengs davon hörte, fand er ſich ſogleich bei ſeinem Sohne ein, um über ſeinen Ge⸗ ſchmack ein Urtheil zu fällen. Nicht mehr, wie ſonſt, ſchauete er ihm jetzt durch eine Spalte der Thüre zu. Raphael Mengs war nicht länger der ſchüchterne Sohn, dem die ſtrenge Miene des Vaters imponirte und abhielt den Griffel in ſeiner Gegenwart unbefangen zu führen.

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