171
er in den Dienſt Auguſt's III. getreten und von dieſem eine Penſion bezog. Mit den ſchönſten Hoffnungen betrat jetzt der Jüngling die Hauptſtadt der ſchönen Künſte, ent⸗ ſchloſſen hier ſein Talent zu etwas Großem und Ganzem auszubilden und vermöge des ihm von ſeinem Vater anerzogenen Fleißes, vermöge der ihm mit Stockſchlägen eingeimpften Ausdauer, ließ er nicht nach in ſeinem Fleiße, bis er ſein Ziel erreicht.
Correggio und Titian wurden jetzt ſeine Vorbilder. An ihnen erſtärkte ſich ſeine Seele, mit ihnen ſchloß er ſich ein in den herrlichen Räumen des Vatikan, deſſen Mauern durch den großen Raphael geheiligt erſchienen. Hier ſtudirte er, hier copirte er, bis Aug' und Hand ſich gebildet; hier begann er darauf in Oel zu malen, aber auf eine ihm eigenthümliche, neue Weiſe. Die Magdalene und das Portrait ſeines Vaters waren die Gegenſtände dieſer erſten Verſuche.
Zufrieden mit dieſem Anfange wünſchte er aus dankbarem Herzen ſeinem Könige eine Probe ſeiner Fort⸗ ſchritte abzulegen durch die Ueberſendung eines Bildes.
Die heilige Familie, nach Raphael, traf ſeine Wahl, und ſeine Mutter Gottes ſollte darin den Typus jener Schönheit tragen, wie ſie nur der warme Süden erzengt.
Aufmerkſam folgte nun des jungen Künſtlers Auge den römiſchen Frauen, um unter ihnen das in ihm lebende 11*
—
————— ——


