Teil eines Werkes 
1. Bd. (1860)
Entstehung
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Der ſteife ernſte Herr erſchreckte jedoch das debu⸗ tirende Modell, welches verſchämten Angeſichtes dem jungen Künſtler gegenüber ſaß und ſeinem forſchenden Blicke ſeine Reize preisgab. Dunkle Röthe überzog des Mädchens Wangen, als der alte Herr es jetzt durch eine große Brille zu fixiren begann und ſeine durchdrin⸗ genden Augen ſpähend an ihr muſterten. Verſchämt ſchlug es davor den Blick zur Erde und wandte endlich das ſchöne Haupt angſtvoll zur Seite.

Damit war die Stellung verloren und der junge Künſtler in ſeiner Arbeit unterbrochen. Vorwurfsvoll wandte er ſich zu ſeinem Vater um und legte den Stift aus der Hand.

Der alte Iſmael begriff nicht, was das Mädchen an ſeinen Blicken auszuſetzen haben könne, da es doch die leuchtenden Augen ſeines Sohnes ſo wenig zu fürchten ſchien. Seit lange war er dem wirklichen Leben viel zu ſehr entfremdet, um dieſe Beziehungen zwiſchen Mädchen und Jüngling zu faſſen, und von der Liebe verſtand er nur noch den Ausdruck, welcher ſich mit dem Pinſel wieder⸗ geben ließ.

Dieſer Ausdruck war nun allerdings ſehr wichtig für einen jungen Künſtler, der in der Madonna An⸗ geſicht die ſchönſten Empfindungen abſpiegeln ſollte; der alte Mengs hatte darum nichts dagegen, wenn das junge