——
— .
—
168
in ſein Zimmer und berichtete an den Grafen Brühl dies ſchreckliche Vorhaben einer Churprirzeſſin von Sachſen.
Arme Maria Antonia! Sie glaubte frei zu ſein, und— hatte einen Oberhofmeiſter.
Indeſſen, ohne zu ahnen, auf welchem glatten Bo⸗ den ſie auch mit ihren unſchuldigſten Freuden ſtehe, ver⸗ theilte ſie munter die Rollen und lernte die ihrige ein. Am ſchönen Morgen wandelte ſie mit dem Manuſkripte in der Hand in den Schatten ihres Gartenwäldchens hin⸗ aus und declamirte laut vor ſich hin, Gedanken, die ſie ſelbſt nicht hegen, Empfindungen, die ſie nie ausſprechen durfte. Oh! welche Erleichterung gewährte dies der oft ſo ſchwer gedrückten Bruſt!
Da kam ein Brief vom Grafen Brühl, welcher ihr den Abgrund zeigte, an dem ſie, inmitten ihrer unſchul⸗ digen Luſt, wandelte. Mit diplomatiſcher Feinheit deutete er ihr an, wie gefährlich ein Vorhaben ſei, das gegen die Geſetze der Etikette des Hofes Auguſt's III. verſtoße; da ſie aber einmal ſo weit damit gegangen und nicht zu⸗ rücknehmen könne, was ſo gut wie bereits geſchehen, ſo rathe er ihr, an den König darüber, wie von einer ſtatt⸗ gefundenen Sache zu ſchreiben, und ihm, dem Grafen, das Fernere anzuvertrauen.
So mußte ſie ſich denn auf's Neue ihm verpflichtet fühlen, auf's Neue einem Mann, den ſie gleich ſehr


