Teil eines Werkes 
1. Bd. (1860)
Entstehung
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Lippen ihr verkündigen, wie ihr Lebensſchickſal ſich geſtal⸗ ten würde. Wer vermöchte ihr die Pein dieſes Momen⸗ tes nicht nachzuempfinden!—

Gewalt ltſam bemühte ſie ſich ruhig zu ſcheinen, gewalt⸗ ſam entfernte ſie aus ihren Gedanken die Erinnerung an Fürſtinnen, deren unſchönes Aeußere den Gemal für immer ihnen entfremdet. Sie woll e ſo gerne hoffen, und ach! in dieſer Minute vermochte ie es kaum.

Da hielt der Wagen, der Tritt wurd e herabgelaſſen, und der Churprinz von Sachſen, in ſeſti icher Kleidung, mit Orden geſchmückt, umgeben von den Herren ſeines Hofes, ſtand vor ihr und bot der Prinz zeſſin die Hand zum Ausſteigen.— Furchtſam und befangen wagte ſie nur einen halben Blick auf ſein Geſicht z zu werfen, wäh⸗ rend ſie ihre Hand in die ſeinige legte und ihr den Boden ſuchte; als ſie nun aber die Erde erreichte, da zog er ſie an ſeine Bruſt, legte ſeinen Arm um ſie und be⸗ grüßte ſie mit einem warmen Kuße*)

Wonnig durchrieſelte es ſie bei diejer Berührung.

„Gottlob!“ rief es jubelnd in ihrer Bruſt;„Gott⸗ lob!“ jauchzte die junge Gattin Ein ſolches Ueberſchreiten der Etikette, die lehrt uns der warme Impuls des Her⸗ zens.„Gottlob! und dreimal noch Gottlob!“

Weber, Maria Antonia Walpurgis.